Ostsee

Drei dicke Frühjahrsdorsche und zwei Dutzend Ostseeheringe

Frühjahrsdorsch am 01. April gefangen

 

Verabredung zum Boot- und Brandungsangeln

Freitag Nachmittag. Ich renne meinem Zeitplan hinterher, weil er mal wieder Verspätungen mit dem öffentlichen Transfer gab.
Seit Wochen habe ich auf dieses Wochenende drauf hingearbeitet: Das erste Angeln auf Frühjahrsdorsch, nur 1 Tag nach dem Ende der Schonzeit, in Kombination mit einem Lachstrolling. Wenn da nicht mindestens ein schöner Fisch dabei rum kommt.. Mit zwei Mitstreitern habe ich mich auf Rügen verabredet. Einer davon unterstellt mir, dass mein “Lachsglück” vor 2 Jahren eine außerordentliche Ausnahme gewesen sein muss, schließlich angelt er schon sein halbes Leben lang (u.a. an der Ostsee) und einen Lachs hätte er noch nie gefangen. Falls das nicht klappt, haben wir Brandungsangeln eingepackt und Wattwürmer bestellt. Außerdem ist Heringszeit, wie in den einschlägigen Angelseiten und -gruppen offline und online zu lesen ist. Irgendwas wird also schon gehen…

Das Video über mein Angelgepäck hatte ich letzte Woche bereits veröffentlicht. Hier kannst Du ihn nachlesen
->> Bloß nichts vergessen! Die Packliste für Dorschangler zum Dorschangeln

 

Planung und Alternativplanung

Irgendwann gegen 20 Uhr bin ich dann entweder auf Rügen im vorgesehenen Hotel angekommen. Meine beiden Mitangler warteten bereits gut gelaunt an der Hotelbar auf mich. Wattwürmer fürs Brandungsangeln hatten sie unterwegs besorgt. Wenn wir doch nur gewusst hätten, dass wir sie hätten aus dem Zeitungspapier rauswickeln sollen.. nun, dazu mehr. Wir warfen einen Blick auf den Wetterbericht für den kommenden Tag. Um 8 Uhr früh sollte die Fahrt um Stadthafen beginnen, also 7 Uhr Frühstücken, dann fertig machen und los.

 

Vorfreudig und voller Erwartung gibt es los

Abfahrt zum Dorschangeln am 01.04.2017
Bestes Wetter, kaum Wind – so ging es los zum Dorschangeln am 1. April 2017

Punkt 8 trafen wir unseren Angelguide und fuhren direkt los Richtung offene See. Wieder verliebte ich mich in die morgendliche Schönheit der Rügener Küste Bestens ausgerüstet!! Mit 12 Hochseeangelruten rückten wir Dorschen und Lachsen auf den Leib :)[/caption]

Einige Zeit später erreichten wir den Angelspot und legten alle Ruten V-förmig in unterschiedliche Tiefen aus. Mit 2/2,3 Knoten befuhren wir verschiedenen Gebiete, wo sich Lachs auf dem Echolot als große Sicheln deutlich abzeichneten.

Sonne für Dorschangler
Mit zarter Frühjahrssonne fuhren wir morgens um 8 Uhr los auf die Ostsee…

Spiegelglatte-Ostsee beim Dorschangeln
Schon fast zu ruhig war es bei der Dorsch Angeltour am 01. April 2017 – kaum Wellen und Wind sorgen für wenig Geschaukel…

 

 

 

Die Heringsschwärme waren sehr ‘deutlich’ zu sehen – und genau das war vermutlich das Problem am heutigen Tage: Es waren so krass viele Heringe unterwegs, dass unsere Köder überhaupt nicht von den Lachsen wahrgenommen wurden. Eine 50er Meerforelle, die als Beifang der erste Fisch war, den wir gefangen haben, erfreute uns zwar kurzzeitig, war aber nicht das beabsichtigte Ziel beim Trolling.

Heringsschwärme soweit das Auge reicht: hier ganz deutlich auf dem Echolot zu sehen.
Heringsschwärme soweit das Auge reicht: hier ganz deutlich auf dem Echolot zu sehen.

 

Frühjahrsangeln auf Dorsch als Plan B

Nach 5 erfolglosen Stunden haben wir das Lachstrolling abgebrochen und Kurs auf zwei naheliegende Wracks genommen.
Die Hoffnungen auf tolle Dorsche waren zwar gering (da erfahrungsgemäß die Dorsche in/nach der Laichzeit meist etwas abgehungert sind und nicht so viel Fleisch auf den Gräten haben, wie im Sommer oder Herbst), probieren wollten wir es aber trotzdem, um nicht ohne Fisch nach Hause zu kommen.

Angelboot beim Dorschangeln
In Sichtweite befanden sich weitere Boote von Angelguides, die ihr Glück beim Lachstrolling und Dorschangeln probiert haben

Gummifisch mit Jigkopf hatte ich als Köder empfohlen – statt Pilker mit Beifänger. Und der Erfolg lies’ auch nicht lange auf sich warten: schon bei der ersten Drift über das Wrack zuckte es in meiner Schnur und ich konnte einen 40er Dorsch landen. Der Oberhammer kam bei der darauffolgenden Drift: Ich konnte einen weiteren Biss nach einigem Zupfen in einen Drill verwandeln, der meine ganze Aufmerksamkeit erforderte. Am Ende meiner Schnur schien ein unbeugsamer Fisch zu sein, der es verstand zu kämpfen. An Hochpumpen war nicht zu denken, die Rute krümmte sich um 180° und ich hatte echt Mühe, die Spannung aufrecht zu halten und den Fluchtversuchen des wilden Meeresbewohners Widerstand zu leisten.

 

Was hängt da an meiner Angelschnur in 30 Meter Tiefe?

Was habe ich da wohl gefangen – einen Meeraal? Einen großen Seelachs? Oder gar einen Pollack? 10 Minuten später war ich in der Lage, den ermüdeten Kämpfer an die Oberfläche nach und nach zu pumpen. Es war ein dicker Dorsch von über 70cm, der gut im Futter war. Heiliges Kanonenrohr! Wer hätte das gedacht, zu dieser Jahreszeit, wo das Wasser noch kalt und die Dorsche eher weiter draußen stehen… Kurze Zeit später hatten auch meine Mitangler Glück und konnten zwei weitere Dorsche ähnlicher Größe fangen. Vielmehr ging am Wrack allerdings nicht. Auch an einem zweiten Wrack schien sich kein Fisch für unsere Köder zu interessieren. Es war Zeit, den Heimweg anzutreten und die Fische zu verarbeiten.

Hurra! Es ist ein dicker Dorsch!!
Kaum zu glauben, was man am 01. April schon fangen kann – kein Scherz!! In meinen Händen halt ich >50cm reinstes Dorschfilet 🙂

 

Kein Lachs, dafür eine tröstende Meerforelle und drei dicke Frühjahrsdorsche

Die Luft auf hoher See tut gut, macht aber auch aus jedem gestandenen Dorschangler einen müden Mann. Wir beschlossen, das Angeln an diesem Abend lieber zeitig für beendet zu erklären und den Samstag sanft ausklingen zu lassen. Für den nächsten Tag wollten wir Platten und Dorsche per Brandungsangeln angehen. Daraus wurde aber nichts, denn nicht nur das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Auch die Watties hatten sich im Zeitungspapier wohl nicht besonders wohl gefühlt. Von Ihnen war nur noch ein Häufchen stinkender Elend über.. 🙁 Warum hat uns der Verkäufer nicht gesagt, dass man die Wattwürmer besser täglich in frischem Ostseewasser hältert? Dann hätten wir sie noch benutzen können.. Gut, das Wetter war sowieso nichts. Also packten wir unsere Sachen und fuhren Richtung Festland.

 

Faszination Heringsangeln

Heringsangelei an der Ostsee
Wenn es mit dem Dorschangeln nicht so läuft, ist das Heringsangeln eine gelungene, kurzweilige Alternative. Alles, was Du brauchst, siehst Du hier im Bild.

Auf dem Rückweg Richtung Autobahn fielen mir die unzähligen Heringsangler auf, die dicht an dicht nebeneinander auf Brücken und Kaimauern standen. Ob die wirklich was fangen? Ich konnte nicht anders, als mein Auto in der Nähe des Hafens abzustellen und mich selber davon zu überzeugen. Zwei nett-gesonnene Angler zeigten mir, wie sie bei jedem 2. bis 3. Auswurf mindestens einen Fisch ein kurbelten. WOW dachte ich, das muss ich auch mal ausprobieren. Einfach, um es mal gemacht zu haben. Schwupps holte ich schnell meine Spinnrute, ein Heringsvorfach und ein trudeliges Blei aus dem Kofferraum; ich die andere Hand nahm ich noch eine Zange, ein Messer, den Knüppel und den Drahtsetzkescher mit Seil (davon hatte ich gelesen und mir kurzerhand einen besorgt). Was dann passierte, sehr ihr hier im Video:

–> Hier das VIDEO zum Heringsangeln vom 02.04.2017!!

 

Schneller und einfacher, als gefacht, fing ich meine ersten Heringe. Die Vorgehensweise war dabei echt einfach: Das Vorfach wird ausgeworfen, beim Absinken wird schon der Rollenbügel geschlossen. Entscheidend ist nun die Beobachtung der (geflochtenen) Schnur und die Köderführung. Ähnlich wie beim Zanderangeln mit der Faulenzer-Methode lässt Du den Köder auf Grund sinken und wartest dann 4-5 sek.; tut sich nichts, hebst Du die Rutenspitze und kurbelst langsam 2-3 Umdrehungen. Dabei beobachtest Du immer die Schnur: Wenn ein Hering beißt, wird sie lose Schnur auf der Wasseroberfläche Richtung Wasser ziehen. Dann weißt Du, dass Du was dran hast und kurbelst ein. Gleichmäßiges, zügiges Tempo – aber nicht zu schnell, nicht zu rabiat. Kurz vor der Kaimauer senkst Du die Rutenspitze und hebst das Vorfach mit den Heringen mit einem gekonnten Hieb aus dem Wasser aufs Ufer.

Dorsch gegen Hering 0:1
Zack! Da war er auch schon: mein aller erster Hering, gefangen an der Ostsee in direkter Konkurrenz zu ca. 248 weiteren Anglern. Nach 45 min. hatte ich genug (Dorsch Ersatz-)Fisch und beendete ich die Aktion.

 

Fazit 1: Lachsangeln ist großartig! Vorausgesetzt, man hat Freude am “passiven Angeln” und kann in Kauf nehmen, dass es nicht immer so gut klappt, wie beim Dorschangeln (wo fast immer was geht…).

Fazit 2: Frühjahrsdorsche sind nicht immer ausgehungert. Dorschangeln funktioniert auch im Frühjahr gut, wenn die Angelstellen richtig ausgewählt werden.

Fazit 3: Was das Brandungsangeln betrifft, so haben wir gelernt, mehr auf den Zustand der Köder zu achten und nicht alleine einem profitgierigen Angelhändler zu vertrauen. Passende Stellen fürs Brandungsangeln gibt es auf Rügen wohl wie Sand am Meer – zumindest das haben wir mitnehmen können.

Fazit 4: Heringsangeln ist großartig! Vorausgesetzt, man freundet sich damit an, in Windeseile zu glitzern (wegen den Schuppen, die die Heringe zurücklassen, selbst wenn man sie mit feuchten Händen anfasst). Der Drahtsetzkescher leistete einen fantastischen Dienst: Mit der Schnur am Keschergriff konnte ich die 22 gefangenen und abgestochenen Heringe problemlos an der Kaimauer ins Wasser lassen und entschuppen.
Ich hatte zwar eine Kühltasche mit Eis im Auto, trotzdem entschied ich mich, den nächsten Rastplatz auf dem Rückweg zu nutzen, um die 22 Heringe zu versorgen. Das ging echt flott: mit nur 2 Schnitten pro Fisch schaffte ich es problemlos in 15 Minuten, alle Heringe auszunehmen. Zuhause angekommen benötigte ich nochmal 20 Minuten, um sie zu filetieren. Das war absolute Rekordzeit!

Endergebnis: 22 Heringe in 45 Minuten
Auf dem Rückfahrt machte ich an einem Rastplatz kurz halt, um meinen heutigen Fang zu versorgen.. 15 min. später waren sie ausgenommen und lagen kopflos auf Eis.

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