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Kutter-Dorschangeln in Wismar

Vergangenen Samstag fand die erste Charity zu Gunsten an NCL erkrankter Kinder (u.a. mit einer Kutterfahrt auf Dorsch) in Wismar statt. Die Initiative „My Fishing Day 24“ hatte Angler aus ganz Deutschland dazu aufgerufen, gemeinsam Dorschangeln zu gehen und damit etwas Gutes zu tun. Der Erfolg, Hochseeangeln an den guten Zweck zu knüpfen, war überwältigend.

"Alle Mann an Bord!" - Morgens liegt die Christa (Angelkutter) bereit im Wismarer Hafen
“Alle Mann an Bord!” – Morgens liegt die Christa (Angelkutter) bereit im Wismarer Hafen

 
 

NCL ist eine Kinderdemenz-Krankheit:

Mehrere Familien mit an Neuronale Ceroid Lipofuszinose (NCL) erkrankten Kindern sind nach Wismar gekommen, um als Betroffene die Aktion des NCL-Vereins im Hafen zu unterstützen. NCL ist eine seltene, unheilbare Krankheit. Sehr häufig wird sie nicht gleich erkannt. Als Folge der Erkrankung kommt es durch eine Stoffwechselstörung zum geistigen Verfall der betroffenen Kinder bis zur Erblindung und Epilepsie. Die Lebenserwartung ist unter 30 Jahre.
Die Initiative „MyFishingDay24“ wurde von Corin Zobel und weiteren Anglern gegründet. Das Ziel ist es, die Familien der NCL-erkrankten Kinder zu unterstützen. Zum ersten Mal fand am 29. Juni 2019 die Charity-Veranstaltung mit großem Erfolg statt. Auch 2020 soll es eine ähnliche Aktion geben, dieses Mal sogar über zwei Tage (27. und 28. Juni 2020, Anmeldung per E-Mail an myfishingday24@yahoo.com), dieses Mal als Westhafenfest.

Nach dem Angeln besuchten wir die Infostände des NCL-Vereins im Hafen von Wismar
Nach dem Angeln besuchten wir die Infostände des NCL-Vereins im Hafen von Wismar

 
 

Angler spenden 12.416 Euro für einen guten Zweck

Erlöse durch eine gemeinsame Angeltour, an der knapp 100 Angler an Board von drei Angelkuttern teilnahmen, machen den Hauptteil der Spendenerlöse aus. Außerdem wurden Sachpreise von Sponsoren im Rahmen einer Tombola verlost, einige Sonderpreise beim „Fische schätzen“ und mehrere Hauptgewinne wurden versteigert.
Für das leibliche Wohl wurde ebenfalls bestens gesorgt: Getränke, Kuchen, Bratwurst und verschiedene Gerichte aus der Gulaschkanone standen bereit, als die Angler um 15 Uhr wieder im Hafen eintrafen. Bis zum frühen Abend bleibt die Stimmung entspannt und fröhlich.

Viele namenhafte Sponsoren unterstützten die Charity-Aktion - so auch Philipp von Dorsch-Guide.de
Viele namenhafte Sponsoren unterstützten die Charity-Aktion – so auch Philipp von Dorsch-Guide.de

 
 

Wenn der Angeltag morgens um 5:00 Uhr beginnt

An fremden Orten, in ungewohnter Umgebung, schläft es sich die erste Nacht meist nicht besonders gut. Man findet erst spät nachts die notwendige Ruhe zum Schlafen (gerade dann, wenn die Vorfreude auf den Angeltag groß ist!). Die Nacht ist angelbedingt kurz. Um 5 Uhr klingelte der Wecker in der Pension in Timmendorf. Die Sonne war schon am Strahlen, der Himmel hell und freundlich. Mit dicken Augenringen schleppe ich mich aus der gemütlichen Schlafzone Richtung Auto. Fürs Frühstück war es noch zu früh. Glücklicherweise hatte ich noch von meinem Reiseproviant für den Angeltrip ein paar Gurkensticks und Frikadellen dabei. Auf dem Angelkutter gab es für alle zwei belegte halbe Brötchen und einen Softdrink – das war im Preis von 55,00 Euro für die Karte inklusive.

Zum Dorschangeln waren bereits andere Angelboote und Angelkutter auf der Ostsee vor Poel
Zum Dorschangeln waren bereits andere Angelboote und Angelkutter auf der Ostsee vor Poel

 
 

Das Meer gibt (Dorsche) und das Meer nimmt (u.a. Sonnenbrillen)

Als wäre es ein Ritual, verliere ich beim Wechsel von der Kaimauer-Leiter auf die Bordwand meine Sonnenbrille. Die fällt ins Hafenbecken und schwupps, ist sie versunken. „Mist!“ denke ich mir, die hätte ich heute noch gut gebrauchen können. Der Tag verspricht sehr sonnig zu werden. Die meisten Kutterangler tragen kurze Hosen und T-Shirts. So kenne ich das Dorschangeln im Sommer  sehr früh morgens wird gestartet und viel Klamotte braucht man auch auf hoher See nicht anzuziehen. An die Sonnencreme habe ich gedacht, natürlich auch an die Kopfbedeckung. Was soll also schief gehen? Seefest wie ich bin, würde ich auch hohe Wellen ohne Probleme aushalten – doch heute ist die Ostsee ein absoluter Ententeich. Gegen Mittag hatten wir glücklicherweise ein bisschen Wind.


 
 

Zwei Stunden Fahrt mit der Christa bis zum ersten Angelspot

Pünktlich um 9 Uhr erreichen wir den ersten Halt zum Dorschangeln. „Das wird ja auch echt Zeit“ denke ich mir. Ewig hätte ich das langsame geschuckel über die Ostsee auch nicht mehr ausgehalten. Der Kutter ist natürlich kein hochmotorisiertes Kleinboot – er schaukelt so gut wie gar nicht. Man kommt aber auch nicht voran. Im Hochsommer stehen die Dorsche tief, wo es kühler ist und sich ihre Nahrung aufhält. Es dauert seine Zeit, dorthin zu gelangen, wo die Ostsee 20 Meter und mehr tief ist, wenn man mit einem Angelkutter unterwegs ist. Aber gut, die Zeit kann man natürlich an Board auch genießen: neue Angler kennen lernen, gegenseitig sich die neue Tackle zeigen, hier mal schnacken, dort mal schnacken, bis die Zeit für den ersten Halt gekommen ist und die Hupe ertönt.

Schöne Dorsche fingen die eifrigen Kutterangler - der Großteil der Einnahmen wurde für einen guten Zweck gespendet
Schöne Dorsche fingen die eifrigen Kutterangler – der Großteil der Einnahmen wurde für einen guten Zweck gespendet

 
 

Viele Ostseedorsche in guter Größe und Gewicht werden gefangen

Anders als ich es letztes Jahr im Sommer erlebte, sind die meisten Dorsche zwischen 50 und 80 cm groß und alles andere als Hungerhaken. Kleinere Dorsche, die zurückgesetzt werden mussten, waren deutlich in der Unterzahl. Um mich herum wurde bereits gut gefangen und mehrfach nach dem Gaff gerufen. Damit werden die besonders großen und schweren Fische an Bord geholt, um zu verhindern, dass die Rutenspitze bricht oder die Schnur reißt. Einige fangen fast bei jeder Drift, manche haben auch nach den ersten beiden Stunden kein Glück. Dabei stehen sie direkt neben den Anglern, die dauernd am Drillen sind und farblich setzen heute alle auf orange.
Familienväter helfen Ihrem Sohn dabei, die Fische aus dem Wasser zu heben und die Köder richtig zu befestigen. Wenn die Kleinen das so gut hinbekommen, was kann es dann anderes sein, als Anfängerglück? Miesgelaunt glupschen einige der Dauer-Pechvögel immer missgünstig zu den kleinen Angelnachbarn, weil sie immer noch keinen Biss haben.
Mein Tipp, es mal mit einen oder zwei Beifängern zu probieren, ignorieren sie zunächst. Stattdessen wird nur auf den blinkenden Pilker gesetzt. Nach einiger Zeit wechseln sie dann doch auf ein anderes Rig und siehe da: Es knallt in der Rute, endlich ist der erste Dorsch am Haken. Zwar kein Riese, aber das Bratpfannenmaß hat er mit 46 cm.


 
 

Der Angeltag auf dem Kutter vergeht im Fluge

Gegen Mittag wird es etwas zäher: Die Sonne brennt vom Himmel und scheinbar ist es auch den Dorschen für eine Weile zu warm zum Fressen. Solche Fresspausen sind bei den Raubfischen nicht untypisch, auch wenn sie als „stets hungrig“ und als immer „gierig nach Nahrung suchend“ gelten. Die Ostseeleoparden veranlassen die erfolgreichen Kutterangler, ein Päuschen zu machen. Ich geselle mich zu Ihnen, beiße in eine heiße Bockwurst mit Senf und erfreue mich anschließend an einem kühlen Bierchen. Das Leben kann so gut zu einem sein. Man muss nur angeln gehen.

Der Dorschkutter CHRISTA war bis auf den letzten Platz besetzt mit jungen und alten Hochseeanglern
Der Dorschkutter CHRISTA war bis auf den letzten Platz besetzt mit jungen und alten Hochseeanglern

 
 

Zu Besuch beim Skipper des Angelkutters

Thomas ist der Schiffsführer des Angelkutters. Er macht den Job schon seit >25 Jahren. Das Dorschangeln hat sich in dieser Zeit häufig geändert. Andere Ruten und Köder sind immer wieder im Trend. Auch steuert er nicht immer die gleichen Angelspots an. Wo heute Fisch steht, kann es morgen schon ganz anders aussehen. Alle Angler glücklich zu machen ist sein erklärtes Ziel. Das gelingt ihm heute sehr gut: Schon am frühen Nachmittag geben sich einige Angler ausschließlich dem angenehmen Teil der Kutterfahrt hin oder fangen weiter, um die Fische anderen zu übergeben. Wie in einer kameradschaftlichen Solidargemeinschaft, könnte man sagen.

Pilker, Gummifische und Twister waren die meist verwendeten Angelköder beim Dorschangeln
Pilker, Gummifische und Twister waren die meist verwendeten Angelköder beim Dorschangeln. Ködereimer gibt es hier: Klicken*

 
 

Dreimal hupen heißt: Feierabend für heute auf dem Angelkutter

Gegen 13 Uhr ertönt die Hupe dann 3x. Das bedeutet, dass das Angeln sofort eingestellt werden muss und es jetzt zurück in den Hafen geht. Die Fahrtzeit wird dazu genutzt, die gefangenen Dorsche zu verarbeiten. An zwei Filetiertischen an der Steuerbordseite des Schiffes werden Holztische runter geklappt und Wasser aus der Ostsee darüber laufen gelassen. Schnell fliegen Heerscharen von Möwen um das Boot herum: Sie holen sich die Überreste der Fische, die von den Dorschanglern nicht verzehrt werden. Im Wesentlichen sind das die Innereien, hier und da auch die Fischhaut, wo noch ein paar Brocken Fleisch dran hängt. Mehr als 50 Möwen zähle ich nach einer halben Stunde. Sie umkreisen den Angelkutter immer, fliegen von hinten an der linken Seite vorbei bis nach vorne, wenden um 180°, fliegen an der Backbordseite zurück und wiederholen diesen „Kreisflug“, bis auch der letzte Dorsch filetiert und seine Überreste an die Möwen übergeben wurde.


 
 

Charity bedeutet: Angeln für den guten Zweck

Im Hafen verbrachte ich anschließend noch drei angenehme Stunden mit Gesprächen unter gleichgesinnter. Mein Fazit lautet: Wow, hier ist etwas richtig tolles heute zustande gekommen. Das Organisationsteam hat nicht weniger als 1 Jahr lang daran gearbeitet, dieses Event vorzubereiten und nicht nur der große Zuspruch an Anglern hier, sondern auch die Zahl der namhaften Sponsoren und Partner (nicht nur aus der Angelbranche, sondern auch aus ganz anderen Bereichen) haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Dieses Treffen unter Meeresanglern sucht seinesgleichen und wird für viele ein fester Termin im Angeljahr werden. Spätestens jetzt, falls dem noch nicht so ist.
Besonders freue ich mich für Corin, Marco, Anne und all die anderen vom My Fishing Day 24-Team. Es ist eine tolle Truppe von Anglern und Nichtanglern, die weder Zeit, noch Geld oder Schweiß gescheut haben, um mit der Charity-Veranstaltung Menschen zu verbinden, die sich im normalen Leben nicht begegnet werden – schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass sie gemeinsam ihrem Lieblingshobby, dem (Dorsch-)Angeln nachgehen und dabei anderen, die eine tödliche Erkrankung haben, dabei noch etwas Gutes tun können. Bravo, bravo, bravo. Chapeau!

Gruppenbild der Helfer und Mitglieder von Myfishingday24 und der NCL Gruppe Deutschland e.V.
Gruppenbild der Helfer und Mitglieder von Myfishingday24

 
 

Quellennachweis:
Artikel „Nordwestmecklenburg: Angler spenden für demenzkranke Kinder“, Abruf vom 30.06.2019
https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Wismar/Nordwestmecklenburg-Angler-spenden-fuer-demenzkranke-Kinder
 
 
 
 
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